Theaterkids Oberrüti

Lust auf Mords-Spass?

Falls dem so sein sollte, dann haben Sie das Beste bereits verpasst! Vergangenen Samstag führten 18 Kinder der Theaterkids Oberrüti eine schräg-komische Krimi-Komödie zum „Totlachen“ auf. Die Autorin Eva wurde von ihrer resoluten Chefin Edmonda verdonnert, ein Stück mit Mord und Totschlag zu schreiben, denn das sei es, was die heutigen Kids sehen wollen! Doch Eva schreibt viel lieber lustige Sachen und dementsprechend schwer fällt es ihr, sich dem Diktat ihrer Chefin unterzuordnen. Ein nicht alltägliches Stück voller Klamauk, Romantik und Dramatik.

Sozusagen als Vorspann zu dem Stück: „Ein Mords-Spass“ oder „Keine Lust auf Mord“ spazierten Miss Marple alias Anny Omlin und Agatha Christie alias Carmen Gysi (die Regisseurinnen) höchstpersönlich in den Saal. Eigentlich wollten die beiden Damen in Oberrüti nur Ferien machen, doch sie hatten von einem Mord gehört. Schon der Einstieg in das Stück war wie das Stück selbst: erfrischend anders und voller Überraschungen.

Die Regisseurinnen wagten sich mit 18 aufgeweckten Dritt- bis Fünfklässler an ein ausserordentliches Stück. Romantische Liebesszenen wechselten sich mit wildem Piratenfluchen ab. Mysteriöse schwarz gekleidete Männer, Polizisten, Gärtner und Bühnenarbeiter tummelten sich munter gleichzeitig auf der Bühne. Es schien, dass jeder der jungen Schauspieler die Rolle bekommen hat, die ihm auf den Leib zugeschrieben war. Mit umwerfendem Charme und unglaublichem Spielwitz agierten die Künstler selbstsicher auf der Bühne. Ihr schauspielerisches Können wurde dabei durch eine einfachen Kulisse und aufwendige Kostüme unterstützt. 18 Proben waren nötig, um dieses komplexe Stück bühnenreif zu machen.

Romantik vs. Kommerz
Ja, es ist nicht einfach, die romantisch, verspielte Ader der Theaterautorin mit den Vorstellungen der kommerzbewussten Chefin unter einen Hut zu bringen. Mord und Totschlag seien „in“, so die Devise der keinen Widerspruch duldenden Chefin Edmonda. So sehr sich Eva bemühte, Leichen, Mörder und Polizisten auf die Bühne zu bringen, es schmuggelten sich immer wieder der Hofnarr, die schöne Prinzessin Bella, Hamlet und Romeo und Julia auf die Bühne. Das Chaos ist perfekt. Die Lachmuskeln strapaziert.

Aus dem Nichts tauchen zwei Polizisten auf. „Hände hoch“ schreien sie ins Publikum und so mancher Zuschauer hebt auch schon die Hände in die Höhe, genauso wie der Polizist Chili. Hamlet samt Totenkopf schreitet zum Bühnenrand und gibt sein: „Sein oder nicht sein“ zum Besten. Die schöne „Leiche“ Bella steht auf, himmelt Hamlet verheissungsvoll an und wirft sich wieder theatralisch und mit einem lauten Schrei zu Boden. Und das noch x-Male!

Hamlet und Rapunzel
Edmonda kann sich von solchem Bockmist kaum erholen, ermahnt Eva noch eindringlicher endlich ein verwertbares Stück zu schreiben. Die Polizisten führen Hamlet als den vermeintlichen Mörder ab, Bella steht auf, um ihrem süssen Hamlet zu folgen und schon war die erste Leiche weg. Als Ersatz springt der Hofnarr als Leiche ein. Bevor er sich endgültig an den Platz der Leiche wirft, demonstriert er dem Publikum lustvoll, wie er sterben könnte: plötzlich und unerwartet, langsam dahinsiechend, oder im Schlaf.

Bühnenarbeiter stellen einen Balkon auf und spielen kurzerhand eine Romeo und Julia Szene. Die anmutige Gülistan und der freche Anton aus der Schweiz spielen eine rührende Szene, bei welcher es um interkulturelle Freundschaft geht. Und wie schon so oft, hört man die schnaubende Stimme von Edmonda „Ufhöre, sofort ufhöre“. Nein, sie will kein Stück über Toleranz und Fremdenfeindlichkeit, sie will Mord und Totschlag! Und Eva wird zusehends trauriger.

Ein Mist zum Totlachen
Bella lässt sich wieder theatralisch auf den Boden fallen. Der Hofnarr kommt und „stirbt plötzlich und unerwartet!“.Polizist Chili sieht die Leichen und springt vor lauter Angst dem anderen Polizisten buchstäblich auf die Arme. Bella und der Hofnarr spielen die klassische Romeo und Julia Balkonszene, in gewohnt komischer Manier. Hamlet erscheint wieder mit: „Sein oder nicht sein“. Und als dann auch noch die drei Piraten auf die Bühne marschieren, wusste niemand mehr so recht, was jetzt eigentlich gespielt wird. Und dann ruft ein Bühnenarbeiter zum Balkon hinauf: „Rapunzel, lass dein Haar herunter“, und prompt fliegt die Perücke der Bühnenarbeiterin hinunter zu dem vermeintlichen Prinzen. Edmonda springt total entsetzt auf die Bühne: „Stopp! Was für ein Quatsch“, doch das Ensemble spielt ungeniert weiter.

Nach intensiven 45 gespielten Minuten singen alle Darsteller gemeinsam einen Rapsong gegen Edmonda und lassen sich dann gleichzeitig theatralisch auf den Boden fallen und stellen sich tot. Edmonda springt auf und ruft: „Und wer isch jetzt der Mörder?“ Dann geht sie über alle Leichen und sagt: „Wüset ihr, was ich am schlimmschte finde? Dass de Mischt do, s’Publikum au nu luschtig gfunde het. Die hönd jo alli glacht!“

Ja, das war tatsächlich so. Die Grossen wie die Kleinen kamen voll auf ihre Rechnung. Es hat allen Beteiligten sichtlich Spass gemacht. Allen voran aber den ca. 300 Besuchern, die anschliessend mit feinen Grilladen und Kuchen verwöhnt wurden.

Birgit Lehner